Elektrotherapie im Detail

Was ist Elektrotherapie?

Elektrotherapie ist die Bezeichnung für therapeutische Anwendungen von elektrischem Strom in der Medizin und in der Physiotherapie. Für einige der Verfahren wird synonym auch der Begriff Reizstromtherapie benutzt. Die Reizstromtherapie umfasst eine Reihe von Therapieformen, bei denen Gleichstrom oder niederfrequente Wechselströme zur Muskelstimulation eingesetzt werden.

Wofür wird die Elektrotherapie angewandt?

Heute beschränkt sich der therapeutische Nutzen auf nur noch wenige anerkannte Gebiete. Meist dient ihr Einsatz der Schmerzlinderung, der Behandlung von Neuralgien, Durchblutungsstörungen oder orthopädischen Erkrankungen (Ischialgien, Sehnenentzündungen, Arthrosen…usw.).

Beim Ausfall von Nerven an Armen und Beinen, kommt es zum Abbau von Muskelzellen des vom geschädigten Nerv versorgten Muskels. Um dies zu vermeiden, werden während einer Behandlung Elektroden angebracht und mit geringen Stromimpulsen die Funktion des betroffenen Nerven stimuliert. Dadurch bewegt sich der betroffene Muskel wieder und bauet langsamer ab.

Welche Stromarten gibt es?

Es gibt 4 unterschiedliche Stromarten, die je nach Indikation zum Einsatz kommen können:

  • Galvanische Ströme führen zur Schmerzlinderung, Durchblutungsförderung und Stoffwechselsteigerung des Gewebes. Dadurch kann der Heilungsvorgang beschleunigt werden.
  • Niederfrequenter Strom erregt Nerven und Muskelfasern und führt zu einer Muskelkontraktion. Sie dienen dem Erhalt von geschwächter oder teilgelähmter Muskulatur.
  • Mittelfrequente Wechselströme wirken über Muskelkontraktion und anschließende Entspannung. Außerdem kommt es zu analgetischen Effekten und zu einer Mehrdurchblutung.
  • Hochfrequenter Strom erwärmt tief gelegenes Gewebe. Er gilt als durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. Außerdem kann der Stoffwechsel im Körperinneren angeregt werden.

Was passiert während einer Behandlung?

Während der Anwendung fließen Gleich- oder Wechselströme durch Körper oder Körperteile durch. Die entsprechenden Spannungen werden entweder über mit der Hautoberfläche leitend verbundene Elektroden zugeführt oder über Elektroden in einem Wasserbad.

Eine Sonderform stellt auch die Iontophorese von Arzneistoffen über die Haut dar. Durch eine vorhandene elektrische Ladung eines Medikamentes kann dieses im elektrischen Feld in das Gewebe transportiert werden. Der Effekt kann dazu führen, dass ein Vielfaches an entsprechenden Arzneistoffen in kürzerer Zeit ins Gewebe gelangt, als wenn diese auf die Haut aufgetragen werden. Die Verteilung des Medikamentenwirkstoffes geschieht über die in der Haut liegenden Blutgefäße.

Strom zum Abnehmen und zum Muskelaufbauen?

Auf dem Markt befinden sich zahlreiche, überwiegend einfache Reizstromgeräte, die zur Gewichtsreduktion und zum Muskelaufbau geeignet sein sollen. Die durch die Elektroden verabreichten elektrischen Impulse lösen Muskelkontraktionen aus. In der Regel lassen sich Stärke und Dauer der Impulse über Regler einstellen oder werden durch vorgegebene Trainingspogramme bestimmt. Da plötzliche starke Impulse als störend bis unangenehm empfunden werden, arbeiten die Trainingsprogramme mit mehreren mittleren Impulsen in der Sekunde. Somit kann man die Geräte für das Krafttraining zur Erhöhung der Kraft-Ausdauer einsetzen und damit Muskeln straffen.

Die Wirksamkeit des Verfahrens für den Muskelaufbau ist Gegenstand teils heftiger Debatten. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema scheinen zu widersprüchlichen Ergebnissen zu gelangen. Relativ unstrittig scheint der Nutzen zur Vermeidung der Verkümmerung von Muskeln bei verletzungsbedingter Immobilität zu sein. Manche Studien scheinen zudem zu zeigen, dass moderne, professionelle Geräte für die Erhöhung der Muskelkraft und -ausdauer geeignet sind. Hersteller einfacher Geräte, die mit dem Versprechen auf einen Waschbrettbauch ohne Training vermarktet wurden, wurden dagegen von einer amerikanischen Firma wegen der Haltlosigkeit dieser Versprechen verklagt.

Unstrittig ist des Weiteren, dass die Geräte nicht zum Abnehmen geeignet sind, weil nur einzelne Muskeln trainiert werden und daher der Energieverbrauch viel zu gering ist, um einen Gewichtsverlust herbeizuführen. Um eine Diät zu unterstützen, ist eher zu einem Ausdauertraining zu raten.

Wann ist die Elektrotherapie nicht empfohlen?

Risiken, Nebenwirkungen oder Gefahren resultieren bei einer Elektrotherapie aus einer unsachgemäßen Anwendung. So kann eine zu hohe Dosierung beispielsweise zu Hautschädigungen sowie einer gestörten Durchblutung und zu Sensibilitäts- und Herzrhythmusstörungen führen.

Insbesondere die niederfrequente Reizstromtherapie kann in den Bereichen, in denen über Elektroden der Kontakt mit der Haut hergestellt wird, zu Verbrennungen, weshalb beispielweise ein feuchter Schwamm zum Schutz der Haut zum Einsatz kommen sollte.

Eine hochfrequente Elektrotherapie im Bereich der Gebärmutter ist bei Vorliegen einer Schwangerschaft kontraindiziert.

Darüber hinaus sollte eine Elektrotherapie nicht appliziert werden, wenn Erkrankungen wie akute Entzündungen, Thrombosen, offene Hautareale oder Arteriosklerose festellbar sind.

Bei Metallimplantaten gibt es unterschiedliche Meinungen. In manchen Fachbüchern steht, dass die Elektrotherapie bei Metallen im Körper ausgeschlossen ist. Im Gegensatz dazu gibt es neue Studien, die beweisen, dass die Elektrotherapie bei Endoprothesen, oder andere Metallteilen möglich ist. Metallimplantate gelten nur für sogenannte Gleichströme. Hochvoltströme können bei Knie- und Hüftendoprothesen problemlos eingesetzt werden, da es sich hierbei um einen niederfrequenten Wechselstrom handelt.